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Cake day: June 23rd, 2024

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  • Wir könnten glaube ich alle so viel besser dran sein, wenn nicht dauernd irgendwelche Astlöcher einander ausstechen wollten.

    Das stimmt. Tun sie aber, und offenbar werden es erst mal nicht weniger.

    Bei Ukraine sind wir alle eingesprungen und haben geholfen

    Naja… alle? Es gibt genügend Länder, die sich vornehm mit der Kritik zurückhalten. Von China, das das mit Rücksicht auf seinen Partner Russland bis heute nicht als “Angriffskrieg” bzw überhaupt “Krieg” bezeichnen will und stattdessen unter der Hand fröhlich dran verdient, bis zum besagten Iran, der auch keinerlei Probleme damit hat, Russlands völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen ein für sie vollkommen unbeschriebenes Land vor unserer Haustür zu unterstützen. Und selbst in Europa haben wir Länder, die erstaunlich viel Verständnis dafür haben, dass Russland einfach mal mit Krieg seine Grenzen verschieben will, wie als wären wir wieder in den 40ern. Und den weitaus meisten Ländern auf der Welt ist es vollkommen egal. Vielleicht allenfalls mahnende Worte vor der UN. Das ist doch die Welt, in der wir längst leben: am Ende interessiert es keinen, gehandelt wird nur unter Zwang oder wenn es opportun ist

    Laut https://www.worldstopexports.com/worlds-top-oil-exports-country/ waren das in 2024 21k USD.

    Ich hatte von ~1.3 Mio Barrel pro Tag 2025 gelesen.

    Ich glaube, der Ansatz ist nicht primär das feine Kontrollieren sondern erstmal überhaupt das Stören.

    In der Schrotflintenanalogie: “Solange auf mein Haus geschossen wird, ist die Straße nicht sicher.”

    So wie ich die Äußerungen des Iran verstehe, möchte man das als dauerhaftes System etablieren, um sich eine ständige Einnahmequelle zu eröffnen. Und das wird wohl wenig Anklang bei den anderen Ländern finden. Denn es würde nicht zuletzt ein System normalisieren, nach dem Länder plötzlich nach Gutdünken in das Gemeingut freier Schiffsverkehr eingreifen, um sich zu bereichern. Das ist in niemandes Interesse.

    Das sehe ich anders. Die USA haben an der Region hauptsächlich das Interesse, dass Öl und Gas fließen. Das zu blockieren oder zu hemmen würde ihren eigenen Zielen schaden. Klar könnten sie eine Maut verlangen - das wird dann halt auf den Preis aufgeschlagen.

    Dann missverstehst du mich vielleicht: es geht mir darum, dass es bei dieser spieltheoretischen Betrachtung egal ist, welche Seite (aus welchen Gründen auch immer) zuerst den Schritt der Blockade + “Maut” geht. In beiden Fällen hat die jeweils andere Seite einen immensen Anreiz, ebenfalls zu blockieren und damit das System des ersten zu zerstören. Vergleich es vielleicht mit Atomwaffen: wenn die eine Seite es nutzen will, muss die andere Seite glaubhaft machen, dass sie es ebenfalls tut. Nur dann entsteht die Situation, dass sich keine Seite mehr einen Nutzen daraus erhoffen kann und darin eine gangbare Option sieht.

    Selbst wenn die Weltgemeinschaft hinter Trump stünde, würde ein weiterer Golfkrieg massive Kosten fordern und signifikanten Schaden in der Region anrichten.

    Hat er doch schon. Die Amerikaner und Israelis haben den Iran massiv bombardiert, der Iran dafür die Rohstoff-Infrastruktur der anderen Golfstaaten angegriffen. Die Schäden und Kosten, die Eskalation sind längst da, das “Eis” also längst gebrochen.

    Das Regime in Teheran hat zumindest strategisch weniger den Ruf, unberechenbar und willkürlich wortbrüchig zu sein.

    Wohl niemand ist so willkürlich wortbrüchig wie Trump. Aber ein Iran, der mit Raketen eine 4000km entfernte Militärbasis angreift, obwohl er jahrelang beteuert hat, gar kein Raketenprogramm dieser Reichweite zu besitzen oder anzustreben und deswegen die Sanktionen unberechtigt wären, der sich mit seinem Nuklearprogramm zumindest “sehr intransparent” verhalten hat, steht jetzt in der internationalen Liste des Vertrauens auch nicht wirklich weit oben. Dazu kommt, dass die USA wirtschaftlich erheblich mächtiger sind und sich die wenigsten Länder eine offene Feindschaft mit ihnen leisten können, während der Iran international bereits weitestgehend isoliert ist.


  • Wenn die USA militärische Abenteuer probiert, können Indien oder China versuchen, wirtschaftliche Daumenschrauben anzusetzen, oder ihrerseits militärisch kontern.

    Zumindest den Punkt des militärischen Konters können wir wohl begraben. Einer nuklear bewaffneten Vetomacht, die meint, dass für sie die Regeln nicht mehr gelten, ist militärisch von einer anderen Großmacht nicht beizukommen. Das sieht man bei Russland in der Ukraine, das sieht man jetzt bei Trump. In beiden Fällen gibt es zwar Hilfe, aber kein direktes Eingreifen. So war es früher auch schon.

    Und die wirtschaftlichen Daumenschrauben werden doch längst bespielt: ob nun “Strafzölle”, Importverbote, Joint-Venture-Zwang, jede dieser größeren Mächte nutzt seine wirtschaftlichen Hebel ganz bewusst, um die jeweiligen Konkurrenten zu behindern.

    Ihnen bleibt also nur die Option, die Wirtschaft der anderen unter Druck zu setzen.

    Das verstehe ich ja, aber es ist eben auch wie mit einer Schrotflinte in eine Menschenmenge zu feuern. Klar kannst du dein Ziel dabei treffen, aber primär eben auch die anderen.

    Warum? Iran hat selbst wenig Nutzen davon, dass die Schiffe passieren, da sie selbst (dank Sanktionen) eh nicht so viel am Ölhandel verdienen wie ihre Nachbarn. Sie waren auch in der Vergangenheit nicht auf die Gelder angewiesen, die sie jetzt abfordern, und können vermutlich auch weiterhin ohne leben. Es geht Iran hier nicht um den eigenen Profit, sondern um den Schaden für die USA und ihre internationalen Beziehungen. Die zusätzliche Blockade trifft sie also nicht groß.

    Da wäre ich mir nicht so sicher. Sicher verdienen sie nicht so viel wie bspw ein Saudi-Arabien, dennoch sind die Einnahmen aus dem Rohstoffexport ein erheblicher Stützpfeiler der iranischen Wirtschaft. Das Wegbrechen dieser Einnahmen dürfte für erhebliche Verwerfungen sorgen.

    So oder so funktioniert der Ansatz der Iraner jedoch nur, wenn ihn nur die Iraner verfolgen. Wenn sie also die einzigen sind, die die Kontrolle über die Straße von Hormus an sich reißen und fortan nach eigenem Ermessen entscheiden, wer zu welchen Konditionen passieren darf. In dieser Situation liegt der Nutzen nur beim Iran und der Schaden nur bei den USA (bzw. eigtl auch bei allen Ländern, die davon betroffen wären). Entscheiden sich die USA nun jedoch, ebenfalls die Straße zu kontrollieren, haben sie zwar keinen wirklichen Nutzen gewonnen (denn der Iran wird mit seiner Blockade dafür sorgen, dass niemand im Sinne der Amerikaner durchkommt) aber damit wird der Schaden auch auf den Iran verteilt, während der ursprüngliche Nutzen verschwindet. Daher gibt es eine große Motivation für die Amerikaner, so zu handeln und es ist aus spieltheoretischer Sicht logisch. Nur noch mal zur Sicherheit: die Vorzeichen “Iran” und “USA” sind für dieses Ergebnis im Übrigen vollkommen unerheblich, es wäre ebenso logisch, wenn stattdessen der Iran so auf eine Blockade + “Maut” der Amerikaner reagieren würde.

    Entsprechend ist es für Drittländer von Interesse, dass sie diesen Ärger weiterhin nicht haben. Die vorher schwer zu beziffernde Drohung ist jetzt ein handfestes Druckmittel.

    Nun haben die Drittländer jedoch diesen Ärger und werden im eignen Interesse gezwungen sein, darauf zu reagieren. Das kann, muss jedoch keinesfalls im Sinne des Irans sein. Die Wette, dass die Weltgemeinschaft in diesem Konflikt nun die USA als die “weichere” Position auffassen werden und diese zu beeinflussen versuchen, ist mindestens gewagt. Das Regime in Teheran steht der “negativen Beliebtheit” eines Trumps nicht unbedingt nach. Es wird sich die Frage stellen, auf welcher Seite man die schnellste/günstigste Lösung vermutet.







  • Hauptsache jeder behält im Kopf, wie übel die Alternative zur Diplomatie ist.

    Und wie sollen Indien oder China die USA davon abhalten, ihre militärischen Abenteuer nach eigenem Gutdünken durchzuziehen? China ist doch heute schon strategischer Rivale der Amis und würde die lieber heute als morgen loswerden.

    Ein Verteidiger, der in die Ecke gedrängt wird, will nicht warten, bis ihm ein Grabstein gesetzt wird “Sie waren im Recht”. Das erste und oberste strategische Ziel jedes Staats ist das Überleben.

    Aus Sicht des Irans machen deren Pläne für den Moment auch Sinn. Aber, und das ist halt mein Punkt, aus spieltheoretischer Sicht eben auch der Schritt der Amerikaner nun als Antwort darauf. Der in Konsequenz dann dazu führt, dass am Ende keiner was hat. Und für die Drittländer ist es von Interesse, dass sich so ein Ansatz nicht etabliert.









  • Also: “Wenn schon Lösegeld erpressen, dann doch wenigstens an uns, denn wir sind hier die weltbesten Erpresser?”

    Nee. Die Lösegeld-Nummer funktioniert ja nur, wenn die Straße dann auch benutzt werden kann. Der Plan der Amerikaner, ebenfalls die Straße zu blockieren, führt dazu, dass am Ende keiner die Straße nutzen kann und damit die Lösegeld-Idee wertlos wird.

    …die nur rein zufällig auch eine Grenze des angegriffenen Landes ist…

    Iran (1959) und Oman (1972) haben jeweils ihre Territorialgewässer soweit ausgeweitet, dass die Straße von Hormus durch deren Gewässer gehen muss. Dazu hat der Iran 1971 noch Inseln in der Straße besetzt, um seine Kontrolle auszuweiten. “Rein zufällig” ist da gar nichts. Dazu gehen die Routen an der Engstelle durch die Territorialgewässer Omans, welches bereits ebenfalls von iranischen Drohnen beschossen wurde.

    Und wie gesagt: wie soll das zu Ende gedacht aussehen? Soll jetzt jeder Anrainerstaat so einer Engstelle in Zukunft nach Gutdünken den Schiffsverkehr blockieren und alle (!) zur Kasse bitten und damit selber internationale Abkommen verletzen? Wollen wir wirklich darauf hinaus?


  • Wahrscheinlich unpopulärer Take: Halte ich tatsächlich für eine konsequente und alternativlose Reaktion auf Irans Pläne.

    Ich halte den Angriffskrieg durch USA/Israel zwar ebenfalls für völkerrechtswidrig, gehe aber bei der Reaktion des Irans, dafür nun eine internationale Wasserstraße zu besetzen und fortan von allen (!) Durchfahrtgebühren zu erpressen, nicht mit.

    Wozu soll das in letzter Konsequenz führen? Wir haben trotz russischem Angriffskrieg und dessen tatkräftiger Unterstützung durch andere Länder (u.a. eben jener Iran, der nun so vehement aufs Völkerrecht pocht, wo es ihn selber trifft…) nicht “unsere” Meerengen blockiert. Chinesische Schiffe dürfen trotz der Unterstützung für diesen Krieg passieren. Sogar russische. Sollen wir jetzt auch Öresund, Ärmelkanal, Gibraltar oder Bosporus für alle abriegeln und abkassieren?

    Stattdessen halten wir uns trotzdem an die Spielregeln, die die Grundsätzlichkeit der freien Schifffahrt von unseren Konflikten trennt und diese Wasserstraßen trotz ihrer geographischen Lage zu internationalen Gewässern macht. Macht das Beispiel Irans Schule, war es das. Suez, Panama, Gibraltar, … jede dieser Meerengen wäre zukünftig der willkürlichen Kontrolle der angrenzenden Länder unterworfen. Ein Schritt zurück in die Zeit vor 200+ Jahren. Halte ich für sehr schlecht.