Rudolf Serkin, einer der größten Interpreten der Werke Beethovens, gilt als einer der besten Pianisten des 20. Jahrhunderts. Geboren am 28. März 1903 in Eger – heute Cheb – im Königreich Böhmen in Österreich-Ungarn, zeigt er schon im Alter von fünf Jahren ein frühes Talent für das Klavierspiel. Der Sohn des russischen Sängers Mardko Serkin ist ein Wunderkind. Der junge Rudolf Serkin kann Noten lesen, bevor er geschriebene Texte versteht. Im Alter von neun Jahren erhält er Klavierunterricht bei Richard Robert in Wien. Zudem studiert er Komposition bei Joseph Marx. Nachdem er im Alter von zwölf Jahren sein Bühnendebüt mit den Wiener Philharmonikern gegeben hat, setzt Rudolf Serkin von 1918 bis 1920 seine Kompositionsstudien bei Arnold Schönberg fort. Der Künstler zieht nach Berlin. Dort lebt er zunächst bei der Familie des Geigers Adolf Busch, einem Mitglied des Busch-Quartetts, mit dem ihn eine lange Freundschaft verbindet. Ihre kammermusikalische Zusammenarbeit, die 1921 mit Trio-Konzerten mit Hermann Busch begann, wird über mehrere Jahre auf Schallplatte festgehalten. 1933 verlassen alle drei Künstler Deutschland in Richtung Schweiz. Im selben Jahr gibt Rudolf Serkin sein Debüt in den USA. Dahin wandert er schließlich 1939 aus und erwirbt später die amerikanische Staatsbürgerschaft. Der Pianist wirkt als beliebter Solist von Arturo Toscanini bei den New Yorker Philharmonikern mit und tritt 1937 in der Carnegie Hall in New York auf. Später unterrichtet Rudolf Serkin am Curtis Institute in Philadelphia, Pennsylvania, wo er von 1968 bis 1977 auch als Direktor tätig gewesen ist. Gleichzeitig setzt der Pianist seine internationale Solokarriere fort. Seine zahlreichen Aufnahmen für Columbia Masterworks umfassen das gesamte Klavierrepertoire von Beethoven sowie Brahms, Schubert, Bach, Mozart und Reger, einem damals wenig gespielten Komponisten. Seine Orchesterwerke werden hauptsächlich mit den Dirigenten Eugene Ormandy, George Szell, Alexander Schneider und Leonard Bernstein aufgeführt. Seit dem Jahr 1950 ist Rudolf Serkin regelmäßiger Gast von Pablo Casals beim Prades Festival in Frankreich. 1951 gründet er zusammen mit Adolf Busch das Marlboro Festival in Guilford, der neuen Heimat des Pianisten. Bis in die 1980er Jahre tritt Rudolf Serkin aktiv in Erscheinung, arbeitet mit Claudio Abbado an Mozart-Konzerten für das Label Deutsche Grammophon und mit Seiji Ozawa an Beethoven-Konzerten für Telarc zusammen. Nach einer langen, imposanten und einflussreichen Karriere stirbt Rudolf Serkin am 8. Mai 1991 im Alter von 88 Jahren. Seit seinem Tod werden viele seiner Aufnahmen neu aufgelegt und auf zahlreichen Veröffentlichungen zusammengestellt, darunter Rudolf Serkin Plays (2007), The Essential Rudolf Serkin (2008), Rudolf Serkin Plays Schubert (2015), The Complete Columbia Album Collection (2017) und The Lost Tapes – Beethoven Sonatas: ‚Waldstein’ & ‚Appassionata’ (2023).