Giuseppe di Stefano war ein Opernstar der Nachkriegszeit, der für seine energische Darbietung mit klarer Diktion und einer sehr strukturierten Stimme bekannt war, die Kritiker und Publikum begeisterte. In Zusammenarbeit mit der berühmten Sopranistin Maria Callas erlangte er weltweite Anerkennung, und ihre zahlreichen Aufnahmen von Werken von Puccini, Rigoletto, Mascagni und Verdi wurden mit großem Erfolg veröffentlicht.
Geboren in einem kleinen sizilianischen Dorf, wuchs er in Mailand auf, nachdem seine Familie dorthin gezogen war. Nachdem er in einen Kirchenchor eingetreten war, studierte er für das Priesteramt, entschied sich dann aber doch für eine musikalische Laufbahn. Ein opernbegeisterter Arzt rettete ihn während des Zweiten Weltkriegs vor der russischen Front und 1943 floh er in die Schweiz, wo er im Radio Opernstücke sang.
Sein Debüt als Des Gireux in einer Inszenierung von Massenets "Manon" in der norditalienischen Stadt Reggio Emilia im Jahr 1946 erregte die Aufmerksamkeit der großen italienischen Opernhäuser, und 1948 war er an der New Yorker Metropolitan Opera als Herzog in "Rigoletto" zu sehen. Für seine Leistung in der Titelrolle von Charles Gounods "Faust" wurde er hoch gelobt, und die Kritiker schwärmten von seinem Diminuendo auf dem hohen C in "Salut! Demeure".
Als er 1952 wegen Krankheit nicht zu einer Met-Produktion von "La Bohème" erschien, sondern stattdessen an der Mailänder Scala auftrat, wurde er für drei Jahre aus dem New Yorker Opernhaus verbannt. Er trat weiterhin in Amerika auf und gab 1961 sein Debüt am Londoner Royal Opera House in "Tosca". Zu diesem Zeitpunkt zeigte seine Stimme bereits erste Anzeichen der Vernachlässigung, und seine Opernkarriere verblasste. Er sang jedoch weiter und ging bis zu seinem letzten Auftritt 1992 in Rom häufig mit Callas auf Tournee. Di Stefano starb, nachdem er bei einem Überfall auf die Villa seiner Familie in Kenia von unbekannten Angreifern angegriffen worden war. Er musste sich in Mombasa zwei Operationen unterziehen, um seine Kopfverletzungen zu behandeln, und wurde zurück nach Mailand gebracht. Er erwachte aus dem Koma, fühlte sich aber weiterhin unwohl und starb kurze Zeit später.