• 12 Posts
  • 2.35K Comments
Joined 2 years ago
cake
Cake day: June 23rd, 2024

help-circle





  • Hauptsache jeder behält im Kopf, wie übel die Alternative zur Diplomatie ist.

    Und wie sollen Indien oder China die USA davon abhalten, ihre militärischen Abenteuer nach eigenem Gutdünken durchzuziehen? China ist doch heute schon strategischer Rivale der Amis und würde die lieber heute als morgen loswerden.

    Ein Verteidiger, der in die Ecke gedrängt wird, will nicht warten, bis ihm ein Grabstein gesetzt wird “Sie waren im Recht”. Das erste und oberste strategische Ziel jedes Staats ist das Überleben.

    Aus Sicht des Irans machen deren Pläne für den Moment auch Sinn. Aber, und das ist halt mein Punkt, aus spieltheoretischer Sicht eben auch der Schritt der Amerikaner nun als Antwort darauf. Der in Konsequenz dann dazu führt, dass am Ende keiner was hat. Und für die Drittländer ist es von Interesse, dass sich so ein Ansatz nicht etabliert.









  • Also: “Wenn schon Lösegeld erpressen, dann doch wenigstens an uns, denn wir sind hier die weltbesten Erpresser?”

    Nee. Die Lösegeld-Nummer funktioniert ja nur, wenn die Straße dann auch benutzt werden kann. Der Plan der Amerikaner, ebenfalls die Straße zu blockieren, führt dazu, dass am Ende keiner die Straße nutzen kann und damit die Lösegeld-Idee wertlos wird.

    …die nur rein zufällig auch eine Grenze des angegriffenen Landes ist…

    Iran (1959) und Oman (1972) haben jeweils ihre Territorialgewässer soweit ausgeweitet, dass die Straße von Hormus durch deren Gewässer gehen muss. Dazu hat der Iran 1971 noch Inseln in der Straße besetzt, um seine Kontrolle auszuweiten. “Rein zufällig” ist da gar nichts. Dazu gehen die Routen an der Engstelle durch die Territorialgewässer Omans, welches bereits ebenfalls von iranischen Drohnen beschossen wurde.

    Und wie gesagt: wie soll das zu Ende gedacht aussehen? Soll jetzt jeder Anrainerstaat so einer Engstelle in Zukunft nach Gutdünken den Schiffsverkehr blockieren und alle (!) zur Kasse bitten und damit selber internationale Abkommen verletzen? Wollen wir wirklich darauf hinaus?


  • Wahrscheinlich unpopulärer Take: Halte ich tatsächlich für eine konsequente und alternativlose Reaktion auf Irans Pläne.

    Ich halte den Angriffskrieg durch USA/Israel zwar ebenfalls für völkerrechtswidrig, gehe aber bei der Reaktion des Irans, dafür nun eine internationale Wasserstraße zu besetzen und fortan von allen (!) Durchfahrtgebühren zu erpressen, nicht mit.

    Wozu soll das in letzter Konsequenz führen? Wir haben trotz russischem Angriffskrieg und dessen tatkräftiger Unterstützung durch andere Länder (u.a. eben jener Iran, der nun so vehement aufs Völkerrecht pocht, wo es ihn selber trifft…) nicht “unsere” Meerengen blockiert. Chinesische Schiffe dürfen trotz der Unterstützung für diesen Krieg passieren. Sogar russische. Sollen wir jetzt auch Öresund, Ärmelkanal, Gibraltar oder Bosporus für alle abriegeln und abkassieren?

    Stattdessen halten wir uns trotzdem an die Spielregeln, die die Grundsätzlichkeit der freien Schifffahrt von unseren Konflikten trennt und diese Wasserstraßen trotz ihrer geographischen Lage zu internationalen Gewässern macht. Macht das Beispiel Irans Schule, war es das. Suez, Panama, Gibraltar, … jede dieser Meerengen wäre zukünftig der willkürlichen Kontrolle der angrenzenden Länder unterworfen. Ein Schritt zurück in die Zeit vor 200+ Jahren. Halte ich für sehr schlecht.